Schilddrüse

Schildrüsendiagnostik und -therapie

Schilddrüse

Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie ist ein nuklearmedizinisches Therapieverfahren zur Behandlung unterschiedlicher Schilddrüsenerkrankungen. Sie gilt als besonders schonende Alternative zur Operation. Die Radiojodtherapie wird bei verschiedenen Formen der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wie z.B. der Basedow-Krankheit (Morbus Basedow), autonomen Funktionsstörungen der Schilddrüse (z.B. autonomes Adenom) oder bestimmten Formen des Schilddrüsenkrebses (papilläres oder follikuläres Karzinom) eingesetzt. Auch eine vergrößerte Schilddrüse (Struma) kann damit behandelt werden.
Grundsätzlich kann die Funktionsstörung der Schilddrüse auch durch eine vollständige operative Entfernung der Schilddrüse beseitigt werden. Der Vorteil der Radiojodtherapie liegt in erster Linie darin, dass die mit der Operation verbundenen Risiken vermieden werden. In sehr seltenen Fällen kann auch eine dauerhafte medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden.
Die Radiojodtherapie ist eine Strahlenbehandlung, bei der radioaktives Jod 131 verabreicht wird. Der Vorteil dabei ist, dass die Substanz ausschließlich von der Schilddrüse aufgenommen wird und nur dort wirkt.
Muss die Schilddrüse wegen eines Karzinoms operativ entfernt werden, wird meistens ca. drei Wochen später eine Radiojodtherapie durchgeführt. Damit können die verbliebenen Reste vom gesunden Schilddrüsengewebe entfernt und übrig gebliebenes bösartiges Gewebe zerstört werden.

Ziel der Therapie
Mit der Radiojodtherapie soll das kranke Schilddrüsengewebe weitestgehend zerstört werden. Hieraus kann eine Unterfunktion entstehen, die dann lebenslang mit Schilddrüsenhormonen in Tabletten- oder Tropfenform ausgeglichen wird.


Untersuchungs- und Therapieablauf

Vorbereitende Untersuchungen
In einer vorbereitenden Untersuchung (Blutuntersuchung, Ultraschall und Szintigraphie der Schilddrüse) wird zunächst festgestellt, ob eine Radiojodtherapie bei Ihnen notwendig ist.
Falls ja, erfolgt vor der Radiojodtherapie ein ambulanter Radiojodtest, bei dem mit einer geringen Menge Radiojod die Speicherung in der Schilddrüse über einige Tage (meist am 1., 2. und 5. Tag) gemessen wird. Mit diesen Messungen wird die Menge des radioaktiven Jods bestimmt, die für die erfolgreiche Behandlung Ihrer Schilddrüse erforderlich ist.

Therapie
Für die Durchführung der Radiojodtherapie werden sie stationär auf der von uns ärztlich betreuten Therapiestation im Klinikum Hanau aufgenommen.
Nach einem ausführlichen Aufnahme- / Informationsgespräch beginnt die Therapie damit, dass Sie eine für Sie individuell berechnete Menge radioaktives Jod in Form einer kleinen Kapsel schlucken.
An den Folgetagen messen wir die Strahlungsaktivität in der Schilddrüse. Ist sie bis zu einem bestimmten Wert abgeklungen, können wir Sie wieder nach Hause entlassen, in der Regel nach drei bis fünf Tagen.
Während Ihres stationären Aufenthaltes dürfen Sie aus Strahlenschutzgründen leider keinen Besuch empfangen und die Station nicht verlassen. Sie haben jedoch regelmäßigen Kontakt zu Ärzten, Pflegepersonal und natürlich Ihren Mitpatienten. Außerdem stehen Ihnen Telefon, Fernsehen und Internetanschluss (WLAN) zur Verfügung.
Die therapeutische Wirkung tritt in der Regel erst nach einigen Wochen ein. Deshalb sind nach der Radiojodtherapie Nachsorgeuntersuchungen notwendig, die Sie bei uns oder Ihrem behandelnden Arzt durchführen lassen können.


Dauer des Radiojodtherapie (auf unserer Therapiestation K28)

Die Dauer des Aufenthaltes hängt von der eingesetzten Menge des radioaktiven Jods und der Speicherung in der Schilddrüse ab und liegt in der Regel bei 3 bis 5 Tagen.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist gut verträglich und macht in der Regel keine spürbaren Nebenwirkungen.
Wenige Patienten bemerken leichte Halsschmerzen, die dann aber nach wenigen Tagen verschwinden. Selten kann es zu einer schmerzhaften Schwellung der Schilddrüse oder Magenbeschwerden und Übelkeit kommen.
Es gibt Hinweise, dass sich eine Mitbeteiligung der Augen beim Morbus Basedow, die sogenannte endokrine Orbitopathie, nach einer Radiojodtherapie entwickelt oder verschlechtern kann. Dieses Risiko wird durch eine begleitende Cortisoneinnahme über 5 Wochen (sofern keine Kontraindikationen für die Einnahme vorliegen) verringert.
Die Radiojodtherapie führt zwangsläufig zu einer geringen Strahlenbelastung anderer Organe. Dieses Risiko ist aber als sehr gering einzustufen.
Frauen sollen 6-12 Monate nach einer Radiojodtherapie nicht schwanger werden, Männer 4 Monate keine Kinder zeugen.
In sehr seltenen Fällen kann es erforderlich sein, die Radiojodtherapie zu wiederholen, um den gewünschten Therapieeffekt zu erzielen.